Betreff des Beitrags: Bekannter hat Tumor - will nicht zum Arzt
Verfasst: Do Dez 20, 2007 6:32 pm
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Hallo Leute,
ich hatte eben ein Gespräch mit einem Kommilitonen, in dem er äußerte, er habe schon einige Tumore gehabt und deswegen entsprechend einige OPs hinter sich. Das war nicht unter vier Augen, eher in kleiner Gruppe - so vier Leute. Ich fragte dann, ob er denn jetzt sozusagen "clean" sei. Er meinte daraufhin, dass er da noch etwas im Mundbereich habe, einen Tumor(rest), der eigentlich beobachtet werden sollte. Er geht aber wohl schon seit über einem halben Jahr nicht mehr zum Arzt, um das beobachten zu lassen.
Gründe dafür sind:
Die haben ihm wohl das letzte Mal den Hals ausgeschabt, wonach er drei Monate nicht mehr ordentlich essen konnte, das will er nicht erneut durchmachen. Abgesehen davon würde ihm das wohl das Studium versauen.
Des Weiteren waren die Ärzte wohl ziemlich arrogant bzw. sogar menschlich abwertend gegenüber - man könne zwar erstmal nichts machen, aber beobachten, es sei eine spannende Sache (angeblich O-Ton).
Ich habe ihn dann mal gefragt, was das eigentlich sein soll, Selbstmord auf Raten oder einfach ein Auf-gut-Glück. Er meinte dann Letzteres. Wenn es soweit wäre, müsste er sich ja ohnehin operieren lassen.
Ich denke, euch dürfte sich die Waghalsigkeit bzw. Unlogik seiner Situation erschließen, ich weiß schon, dass das eine ziemlich verdrängende Haltung von ihm ist.
Dazu sollte ich sagen: Der ist kein Freund, ich kenne ihn auch gar nicht so lange, aber ist jedenfalls ein netter Kerl der auch für gute Stimmung sorgt.
Und obwohl es mir wegen der menschlichen Distanz eigentlich gar nicht zusteht, dass ich mich darum großartig schere - zumindest meiner Auffassung von (seiner) Selbstbestimmung und Eigenverantwortung nach - finde ich das ganze doch recht tragisch.
Und wollte mal fragen, ob welche von euch vielleicht Vorschläge hätten, wie man ihn doch dazu bewegen könnte, sich mal checken zu lassen. Auf der Hand liegende Argumente wie "Du könntest sterben" ziehen wohl nicht.
Grüße
D&D
_________________ »Manch einer, der vor der Versuchung flieht, hofft doch heimlich, daß sie ihn einholt.«
Giovanni Guareschi (italien. Schriftsteller *1908 - †1968)
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Betreff des Beitrags: AW: Bekannter hat Tumor - will nicht zum Arzt
Verfasst: Fr Dez 21, 2007 12:11 am
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Registriert: Fr Jun 01, 2001 2:00 am Beiträge: 2357
Also das du menschlich bist ist zwar relativ selten aufzufinden die Tage, aber es freut jetzt so spontan meine Augen
Was man tun kann? Das richtet sich nach mehreren Kriterien. Erstmal solltet ihr die Ärzte schlagen, treten, abfüllen und anzünden oder einfach bösartig ein Bein hinter einer Ecke stellen mit der Hoffnung auf einen schwerwiegenden Nasenbruch.
KEINER gehört minderwertig behandelt. Er soll zu richtigen, also wirklich richtigen, Ärzten (wobei einer meist ausreichend ist) gehen. Deutschland hat eine Handvoll davon.
Und was hat er denn für ein Tumor? Wenn dieser nicht bösartig ist, wäre das ein Grund, erstmal "abzuwarten". Jedoch nur, wenn es ihn nicht stört, was ich nicht glaube. Das dumme ist, dass ein vorhandener Tumor, und das ist das VIEL schlimmere, Metastasen (ableger von Tumorzellen an anderen Teilen des Körpers und daraus widerrum neu entstehende Tumore) bilden kann. Bei nicht-handeln des Arztes wäre diese bis jetzt lediglich auf unterlassene Hilfeleistung, schmerzensgeld und grobe Fahrlässigkeit zu verklagen.
Grüße
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Verfasst: Sa Dez 22, 2007 1:37 pm
Registriert: Mo Mär 05, 2001 2:00 am Beiträge: 5973
Deus et Diabolus hat geschrieben:
Des Weiteren waren die Ärzte wohl ziemlich arrogant bzw. sogar menschlich abwertend gegenüber - man könne zwar erstmal nichts machen, aber beobachten, es sei eine spannende Sache (angeblich O-Ton).
Nunja ich kann mich relativ gut in seine Lage versetzten. Und ich hatte verdammtes Glück bei der ganzen Sache, dass ich 1a. betreut wurde und der Überlebenswille mich nie verlassen hat.
In unserer aktuellen durchstrukturieren Medizin gibt es kaum noch Ärzte die Zeit für einwenig Menschlickeit haben. Dh. der Patient verkommt immer mehr zum Probanten, an dem die Fähigkeiten/Kompetenzen für die eigene Karriere "getestet" werden.. Der Eid des Hippokrates ist in der heutiogen Zeit nur eine Formalie oder ein nettes PinUp im Behandlungszimmer.
Traurig aber wahr kann ich die Aussagen und Handlungen deines Kommilitonen absolut nachvollziehen.
Wahrscheinlich kann sein ganzes Umfeld aufgrund der längeren Krankheit äusserst angespannt und er möchte nicht nur sich sondern auch denen die ihm sehr nahe stehen kein weiteres Leid zufügen.
Daher sehe ich nur einen Möglichkeit seinen Mut wieder zu aktivieren:
Family informieren, innerhalb seines Freundeskreises ihm zeigen, wie wichtig er für alle ist!!!
Evt. ihn auch unterstützen ein anderes Krankenhaus mit anderen Ärzten aufzusuchen.
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Verfasst: Sa Dez 22, 2007 6:06 pm
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Ich möchte aber mal erwähnen, dass das nicht nur an den Ärzten liegt, sondern vielmehr am Berufsbild eines Klinikarztes. Klar gibt es darunter auch einige Idioten, aber diese Ärzte habens auch nicht leicht.
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Verfasst: Sa Dez 22, 2007 6:48 pm
Registriert: Mo Mär 05, 2001 2:00 am Beiträge: 5973
Caedemen hat geschrieben:
Klar gibt es darunter auch einige Idioten, aber diese Ärzte habens auch nicht leicht.
Das ist richtig.. Die Bedingungen für die Ärzte haben sich selbstverständlich geändert, die ganze Gesellschaft hat sich geändert.. Wenn es ums Geld geht stehen alle zusammen, aber die Bedingungen für Patienten zu ändern, da gehen die Meinungen stark auseinander.. Selbstverständlich gild diese Aussage auch für das Klinikpersonal..
Und der Fachidiot, der einer großen Krankenkasse vorsitzt und ungern auf seinen Dienst A8 und sein 80m² Büro verzichtet wird sich erst recht nicht um die belange der Patienten, immerhin Die die seinen A8 bezahlen kümmern..
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Verfasst: Do Dez 27, 2007 3:08 pm
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Nun, wahrscheinlich sehe ich ihn jetzt über die Weihnachtsferien ohnehin nicht. Vielleicht verbringt er die Zeit ja bei seiner Familie und das gibt ihm nochmal ein paar Impulse. Die Frage gutartig / bösartig erübrigt sich, glaube ich, sonst hätte man wahrscheinlich nicht schon operiert.
webpower hat geschrieben:
Wahrscheinlich kann sein ganzes Umfeld aufgrund der längeren Krankheit äusserst angespannt und er möchte nicht nur sich sondern auch denen die ihm sehr nahe stehen kein weiteres Leid zufügen.
Daher sehe ich nur einen Möglichkeit seinen Mut wieder zu aktivieren: Family informieren, innerhalb seines Freundeskreises ihm zeigen, wie wichtig er für alle ist!!!
Evt. ihn auch unterstützen ein anderes Krankenhaus mit anderen Ärzten aufzusuchen.
Soweit ich das recht verstanden habe, belagert seine Familie ihn deswegen ohnehin - was für ihn wohl auch Grund war, für's Studium umzuziehen, um den Trubel weg zu haben. Dass er damit der Familie einen Gefallen tut, glaube ich nicht... man braucht seine Familie also auch nicht zu informieren: Die wissen schon bescheid.
Was das "zeigen wie wichtig er ist" angeht, habe ich ja schon gesagt, dass er gar kein Freund ist, er gehört halt zu den Leuten, mit denen ich studiere. Kenne ihn grade mal seit Anfang des Semesters, das Ganze hätte also höchstens das Potential, dass daraus ein Freundeskreis erwächst.
Was Angel anführte, vonwegen der Metastasen - da habe ich auch schon drangedacht. Wenn er jetzt nichts macht und der Krebs streut in der Zeit vor sich hin, sieht er am Ende echt als aus...
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Giovanni Guareschi (italien. Schriftsteller *1908 - †1968)
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Verfasst: Di Jan 01, 2008 2:06 pm
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Registriert: So Okt 12, 2003 12:41 pm Beiträge: 526
Es hat ja einen sekundären Krankheitsgewinn, wenn man was schädliches im Mund hortet und damit seine (whs. etwas übergriffige/überbesorgte) Familie auf Trab halten kann. Das wird (immer wieder) genährt, wenn Druck aufgesetzt wird. Und Druck würde vermutlich mit Abwehr beantwortet werden, und das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, hätte sich ein weiteres Mal bestätigt. Empfehlenswert wäre deshalb, möglichst vorsichtig vorzugehen.
Formulieren tust du es am besten selbst. Aber ein paar Ideen wären da schon:
"ich wäre auch skeptisch gegenüber Ärzten, wenn ich an deiner Stelle wäre. Hast du dir schon überlegt, ev. einen besseren Arzt aufzusuchen?" oder
"es würde mich für dich freuen, wenn du an bessere Ärzte gelangen könntest"
mfG
wundt
ps. jeder Mensch ist doch irgendwo in einer Trotzphase.... und das muss nicht für immer so bleiben
_________________ __________________________________________________________________________________ Handle stets so, dass die Maxime deines Willens als Grundlage allgemeiner Gesetzmässigkeit dienen könnte.
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